Die Firmen-Chronik

Mit Jakob Fett fing alles an

Die Geschichte der Kelterei Müller begann eigentlich schon bevor Metzgermeister Heinrich Müller aus Langgöns 1905 die Gaststätte und die Kelterei an der Ostheimer Hauptstraße übernahm und dem Unternehmen den Namen gab.

Den Grundstein hatte sein Schwiegervater Jakob Fett bereits 32 Jahre früher gelegt, als er nach einem missglückten Auswanderungsversuch nach Ostheim zurückkehrte und dort die ehemalige Gastwirtschaft Hildebrand in der Hauptstraße 47 kaufte. Er begründete mit seinem selbst gekelterten Apfelwein und der Qualität der angebotenen Speisen den guten Ruf der Gaststätte, die vorübergehend eine Art Zweigstelle an der 1887 errichteten Haltestelle der
Rhein-Weserbahn unterhielt. Jakob Fett starb 1905. Die Gaststätte ging an die jüngste Tochter unter den sieben Kindern, Auguste, und ihren Ehemann Heinrich Müller. Dies war die Geburtsstunde der Kelterei Müller.

"Perle der Wetterau" ...

... war der Name des ersten prämierten Apfelweins aus dem Hause Müller. Verliehen wurde die Auszeichnung 1914 vom Großherzog von Hessen anlässlich einer Gewerbeausstellung in Gießen. Damals belieferte Heinrich Müller bereits zahlreiche Gaststätten in der Umgebung mit seinem Apfelwein.

Die miserable Ernährungslage während des Ersten Weltkrieges bescherte den Apfelweinwirtschaften ein Ausschankverbot. Aus den Äpfeln sollte Gelee für die Lazarette gekocht werden. 1919 wurde das Verbot wieder aufgehoben. So konnten auch die Müllers wieder durchstarten: Heinrich Müller kaufte die erste hydraulische Presse und wenig später eine größere Korbpresse, um noch wirtschaftlicher größere Mengen Äpfel verarbeiten zu können.

Das erste Auto

1929 machte Walter Müller, der jüngere Sohn von Heinrich und Auguste, den Führerschein und kaufte gleich darauf den ersten Lastwagen, einen Opel 1040. Der Kundenkreis vergrößerte sich kontinuierlich.

Süßmost und Obstschaumwein

Zum Wein kommt Most hinzu: Durch eine Fortbildung in Ober-Erlenbach bei Frankfurt erwarb Walter Müller in den 30er Jahren die Berechtigung, auch Süßmost aus verschiedenen Obstsorten und Obstschaumwein herzustellen. Die Fortbildung hatte überdies auch ganz private Folgen: In Ober-Erlenbach lernte Walter nicht nur die neuesten Techniken für seinen Beruf, sondern auch seine spätere Ehefrau Elfriede Betge kennen.

Apfelwein als Friedensluxus

Mit seinen neuen Kenntnissen modernisierte Walter Müller die Kelterei. Er ließ die hydraulische Korbpresse in eine leistungsfähigere Packpresse umbauen, die noch bis in die 80er Jahre genutzt wurde. Dabei sah es zunächst so aus, als sollte sich diese Umrüstung nicht mehr amortisieren:
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gab es wieder  Produktionsbeschränkungen, denn Apfelwein galt jetzt als „Friedensluxus“. 1942 wurde die Produktion von Apfelwein verboten; die Müllers stellten offiziell nur noch Fruchtsaft und Limonade her. Die Apfelweinfässer wurden gut verwahrt – im Keller hinter dicken Mauern.

Nur noch für den Verkauf

Die im Krieg geschlossene Gastwirtschaft wurde nach 1945 nicht wieder eröffnet, die Apfelweinproduktion jedoch schon bald wieder aufgenommen, da Ostheim von Zerstörungen verschont geblieben war. Jetzt produzierten Müllers nur noch für den Verkauf außer Haus.
Mit dem Eintritt von Walter Müller in die Firma im Jahr 1949 nahm das Unternehmen die Rechtsform der Offenen Handelsgesellschaft (OHG) an. Als Heinrich Müller 1955 starb, trat Elfriede Müller in die Gesellschaft ein.
In den Wirtschaftswunderjahren Deutschlands wuchs auch die Kelterei Müller. Ein neues Lager musste her und wurde bei der Brauerei Melchior in Butzbach gefunden. In 100 Holzfässern konnten hier jährlich 300.000 Liter Apfelwein zur Gärung gebracht werden. Von 1953 an füllte das Unternehmen fast 30 Jahre lang Afri-Cola und Bluna für den gesamten Kreis Friedberg ab.

Ausbau im großen Stil

Mit dem Eintritt des heutigen Geschäftsführers Klaus Müller in die Firma nahm die Kelterei 1969 die Rechtsform der Kommanditgesellschaft (KG) an. Es begann ein umfangreicher Aus- und Umbau, mit dem das Unternehmen Ende der 80er Jahre seine heutigen Ausmaße erreichte. Kontinuierlich steigerte Müller das Fassungsvermögen des Tanklagers. Nach der Errichtung von vier Tanks, die zusammen über 1,3 Millionen Liter aufnehmen können, in den Jahren 1968/69 wuchs das Tanklager bis 1984 auf acht Millionen Liter Volumen an. Direkt nebenan entstanden am Rande Ostheims die neuen Betriebsgebäude. 1976 begann man mit dem Bau einer 3750 Quadratmeter großen Halle, in der das Lager und die Flaschenabfüllung unterkamen. 1980 kam die firmeneigene
50-Tonnen-Waage hinzu, mit der die Apfel-Anlieferung wesentlich erleichtert wurde. 1986 war schließlich die neue Abfüllhalle mit moderner Füllanlage fertig,
die Verwaltung zog ins neue Bürogebäude ein und der Getränkeshop wurde eröffnet.

Qualität und Kunden Nähe

Qualität und Nähe zum Kunden ist auch weiterhin die Richtschnur des unternehmerischen Handelns bei Müller. Unter diesem Aspekt erwarb man im April 2004 den Schwalbacher Brunnen in Schöffengrund-Schwalbach. Sein calciumreiches und natriumarmes Wasser ist seitdem Bestandteil der Schorlen aus dem Hause Müller und ein weiteres Element in der Ausweitung der Produktpalette. Eine neue Müller-Generation hat mit Stephan Müller und Tanja Müller-Diehl in der Geschäftsführung wichtige Funktionen übernommen, unterstützt und ergänzt durch ihre Ehepartner, die ebenfalls „passende“ Qualifikationen mitbrachten. Die sechs Enkelkinder von Doris und Klaus Müller lassen die Zukunft des Unternehmens auch für die nächsten Jahrzehnte sicher erscheinen.

 

 

zum Archiv ->
Kelterei Müller : DLG Prämierung 2015